16.10.2022 – 22.1.2023,

Mikołaj Sobczak. Leibeigene

, Kunsthalle Münster

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Mikołaj Sobczak, Die Vision, 2022, Acryl auf Leinwand, 220 x 960 cm

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In seinen Malereien, Filmen und Performances wie auch in seinen Zeichnungen und Keramiken beschäftigt sich Mikołaj Sobczak mit der Darstellung geschichtlicher Ereignisse. Mit Leibeigene zeigt die Kunsthalle Münster die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers außerhalb Polens und präsentiert die unterschiedlichen Facetten seines künstlerischen Schaffens. In seinen Werken wirft Sobczak Fragen nach einer neuen kollektiven Identitäts- und Erinnerungskultur auf. Im Rückgriff auf historische Ereignisse, aber auch fiktive Narrative wie Märchen, Sagen und Mythen erweitert er die Erzählmuster tradierter, kanonisierter und instrumentalisierter Geschichte um Momente der Emanzipation. Dabei sieht er die dringende Notwendigkeit, die Historiografie durch eine permanente Reformulierung zu befragen, die großen Narrative der Geschichte zu erweitern. Er möchte diese nicht den Populisten überlassen, die ihre Erzählungen mit einem vermeintlich wahren Blick in die Historie zu legitimieren versuchen, mit dem Ziel, bestehende Ängste anzufeuern.

In Zeiten politischer Radikalisierungen lädt seine Kunst dazu ein, sich mit der Konstruktion von Geschichte auseinanderzusetzen. In seinen Malereien spielt er mit der Konvention des klassischen Historienbildes, indem er die ureigenen Qualitäten des Genres für seine Werke nutzt. Seine verdichteten Darstellungen basieren oftmals auf Kompositionen ikonischer Gemälde, die Zitate werden collageartig zusammengebracht und in neue Zusammenhänge überführt, nicht zuletzt indem sie etwa mit Motiven einer Counterculture oder Populärkultur konfrontiert werden. Seine Motive stammen aus ganz unterschiedlichen Kontexten, wobei jede Person, jeder Ort, jeder Gegenstand eine Geschichte hat, sodass sich die Werke Sobczaks durch eine komplexe Ikonografie auszeichnen. Die Collage als gewählte künstlerische Form legt Fragmente der Geschichte offen, erlaubt es Geschichte(n) in ihrer Vielfalt zu erzählen und dadurch mit einer historischen Vereinfachung von Ereignissen zu brechen. Geschichte scheint hier keineswegs auserzählt, vielmehr lässt sich an das Gesehene anknüpfen. Sobczak widmet sich Geschichten jenseits ideologischer Darstellungen einer offiziellen Historiografie. Er schafft zeitgenössische Historienbilder mit Darstellungen herausragender Protagonisten des LGBTQI+-Aktivismus, queerer und emanzipatorischer gegenkultureller Milieus und Widerstandsbewegungen, in fantasievoller Gesellschaft mit fantastischen Charakteren und Kreaturen, die die Vision einer grenzüberschreitenden Utopie repräsentieren, in seinem Fokus stehen vor allem die aus der Geschichtsschreibung verdrängten, marginalisierten Persönlichkeiten.

Mikołaj Sobczak (geb. 1989 in Poznań, Polen) arbeitet als Künstler mit Video, Malerei und Keramik, oft auch mit performativen Aktionen, für letztere kooperiert er regelmäßig mit dem Künstler Nicholas Grafia. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste Warschau (2011–2016) und einem Stipendium an der Universität der Künste Berlin (2014–2015), absolvierte er 2019 sein Studium als Meisterschüler von Aernout Mik an der Kunstakademie Münster. Seit 2021 ist er Artist-in-Residence an der Rijksakadmie van beeldende kunsten in Amsterdam. Seine Werke waren in Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen Institutionen zu sehen: Kunsthalle Düsseldorf (2017), Museum of Modern Art, Warschau (2018), Dortmunder Kunstverein (2019), Museum Ludwig, Köln (2019), Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2019), Maison Populaire, Paris (2020), Ujazdowski Castle Centre for Contemporary Art, Warschau (2020), VII Moscow International Biennale for Young Art (2020), steirischer Herbst, Graz (2021), MUDAM, Luxemburg (2021) und dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2021). 2021 wurde er mit dem wichtigsten Preis für Kunst in Polen – Paszport Polityki – ausgezeichnet. 2022 zeigt die Galeria Bielska BWA, Bielsko-Biala eine Einzelausstellung des Künstlers. Sobczak lebt und arbeitet in Warschau und Amsterdam.

Die Ausstellung wird gefördert durch:

Das Programm der Kunsthalle Münster wird unterstützt vom Freundeskreis der Kunsthalle Münster.

Begleitprogramm:

18.10.2022, 18:00 Uhr,

Gespräch mit Mikołaj Sobczak und Merle Radtke

, Kunsthalle Münster

28.10.2022, 18:00 Uhr,

Führung durch die Ausstellung Mikołaj Sobczak. Leibeigene mit Constanze Venjacob

, Kunsthalle Münster

13.11.2022, 15:00 Uhr,

Führung durch die Ausstellung Mikołaj Sobczak. Leibeigene mit Constanze Venjakob

, Kunsthalle Münster

11.12.2022, 15:00 Uhr,

Kuratorinnenführung durch die Ausstellung Mikołaj Sobczak. Leibeigene mit Merle Radtke

, Kunsthalle Münster

20.1.2023, 18:00 Uhr,

Führung durch die Ausstellung Mikołaj Sobczak. Leibeigene mit Constanze Venjakob

, Kunsthalle Münster

22.1.2023, 16:00 Uhr,

Mikołaj Sobczak + Nicholas Grafia, Peasants

, Kunsthalle Münster