Per Kirkeby, Bushaltestelle, 1997, 51°57'52.0"N 7°37'04.6"E
Per Kirkeby, Bushaltestelle, 1997. Installationsansicht 2017
CreditAnlässlich der Skulptur. Projekte in Münster 1997 wurde der dänische Künstler Per Kirkeby (1938–2018) erneut nach Münster eingeladen, nachdem er bereits zehn Jahre zuvor mit seiner mehrteiligen Arbeit Backstein-Skulpturen an den Skulptur Projekten teilgenommen hatte.1 Kirkebys Konzept für die Bushaltestelle war der zweite Vorschlag, den er dem Stadtplanungsamt unterbreitete, nachdem seine erste Idee, vor der Apostelkirche eine kleine Markthalle für Fahrräder zu errichten, von diesem abgelehnt worden war. Die Bushaltestelle, die stattdessen realisiert wurde, wird bis heute als Haltestelle „Schlossplatz“ genutzt und fungiert als Unterstand für etwa 50 Personen sowie als Lärm- und Sichtschutz für den dahinterliegenden Innenhof.
Entlang der vielbefahrenen Straße entlang des Schlossplatzes erstreckt sich eine Ziegelsteinmauer, die in Mäandern verläuft und durch vertikale Rillen an den Vorsprüngen aufgebrochen wird. Der Mittelteil der Mauer ist zurückgesetzt und schafft Raum für einen Unterstand. Die Mauer trennt den ehemaligen Schulhof des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, das 2006 nach Münster-Gievenbeck umzog, von der angrenzenden Straße. Heute gehört das Gebäude der Universität Münster und wird von dem Institut für Germanistik und Biologiedidaktik genutzt. Durch Kirkebys Bushaltestelle werden der Innenhof und die vierspurige Straße mit Gehweg, deutlich voneinander separiert – der abgeschirmte Innenhof bildet einen starken Kontrast zur vielbefahrenen Straße. Zuvor befand sich an der Stelle lediglich eine hüfthohe Mauer, die den Innenhof kaum von der Straße abgrenzte. Die von Kirkeby geschaffene Trennung ist nicht nur im Hinblick auf Sicht- und Schallschutzgründen funktional, sondern prägt auch maßgeblich den Innenhof. Einige Bänke, die in Nischen in der Rückseite der Ziegelsteinmauer eingelassen sind, laden dort zum Verweilen ein und bieten im Sommer schattige Sitzgelegenheiten.
Während Kirkebys vorherige Arbeiten als Kunstwerke autonom waren, wie etwa seine nur etwa 230 Meter entfernten Backstein-Skulpturen, besitzt die Bushaltestelle ausdrücklich eine funktionale Dimension. Aus Kirkebys Scheinarchitekturen wurde eine alltäglich nutzbare Architektur. Dieses Format verfolgt Kirkeby nur etwa drei Jahre später mit einer weiteren Bushaltestelle an der Stiftung Insel Hombroich in Neuss weiter. Kirkeby verhandelt mit der Bushaltestelle Fragen nach der sozialen Funktion von Kunst im öffentlichen Raum. Währenddessen die Skulptur als alltägliches Mobiliar genutzt wird, eröffnen sich unweigerlich Fragen zur Gestaltung städtischer Infrastruktur.
Marie-Féline Malavasi
Von der ursprünglich dreiteiligen Arbeit sind nach den Skulptur Projekten zwei in den Besitz der Stadt Münster und damit in die Öffentliche Sammlung übergegangen. Die dritte Skulptur, die sich im Lichthof des heutigen LWL-Museums für Kunst und Kultur befand, wurde nach dem Ende der Ausstellung abgebaut.