Per Kirkeby, Backstein-Skulpturen, 1987, 51°57'55.2"N 7°36'56.5"E

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Per Kirkeby, Backstein-Skulpturen, 1987. Installationsansicht 2017

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Für die Skulptur Projekte in Münster 1987 platzierte Per Kirkeby (1938–2018) zwei Objekte auf dem Schlossvorplatz und ein weiteres im Landesmuseum.1 Während die Arbeit im Lichthof des Museums nach der Ausstellung abgebaut wurde, verblieben die beiden Außenskulpturen bis heute im Stadtraum. Im Westen werden sie durch das barocke Residenzschloss von Johann Conrad Schlaun gerahmt, im Osten verläuft eine der Hauptverkehrsadern der Stadt.

Die Rasen- und Kopfsteinpflasterbereiche um die Standflächen der Skulpturen dienen seit einigen Jahren als vielseitig genutzter städtischer Veranstaltungsort. Die Backstein-Skulpturen fügen sich wie selbstverständlich in den städtischen Organismus ein. Sie sind kaum von der nahegelegenen, verklinkerten Trafostation und anderen funktionalen Gebäuden in der Umgebung zu unterscheiden.

An allen vier Ecken der niedrigeren quadratischen Skulptur hat der Künstler das Objekt mit Widerlagern und angedeuteten Strebebögen versehen, womit er den Grundriss eines griechischen Kreuzes aufgreift und zugleich auf ein traditionelles Bauelement verweist, das im Kirchen- und Brückenbau Verwendung findet.2 In direkter Nähe errichtete Kirkeby eine ebenfalls quadratische Backstein-Skulptur, die jedoch etwa fünf Meter in die Höhe ragt und mittig zu allen vier Seiten bogenförmige Blendöffnungen enthält.

Mit dem adaptierenden Einsatz des Materials und mittels architektonischer Details zitiert er Baustile, die das Stadtbild Münsters bestimmen. Bestehende Gestaltungsprinzipien aufgreifend, treten die Objekte in einen Dialog, sowohl mit dem in unmittelbarer Nähe liegenden barocken Schloss, als auch den sachlichen Wohnbauten in der Region Westfalen. Bei der dritten Backstein-Skulptur handelte es sich um eine Art Kreuzung der beiden Volumen im Außenraum, sie kommentierte das Verhältnis von Architektur und Skulptur sowie von Funktionalität und Artefakt nochmals vor dem Hintergrund des historischen Lichthofes im Museum.

Marianne Wagner

1

Klaus Bußmann (Hg.), Per Kirkeby – Skulptur. Projekt für Münster [Westfäl. Landesmuseum für Kunst u. Kulturgeschichte Münster, 14. Dez. 1986 – 25. Jan. 1987], Münster 1986.

2

Klaus Bußmann und Kasper König (Hg.), Skulptur Projekte in Münster 1987, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Köln 1987, 151–156, hier 153.

Dieser Beitrag ist für das Skulptur Projekte Archiv entstanden und wurde der Kunsthalle Münster zur Verfügung gestellt. Auf der Website des Skulptur Projekte Archiv sind alle Werke zu finden, die zur Öffentlichen Sammlung der Skulptur Projekte gehören.