Maria Nordman, De Civitate, 1997, 51°58'59.1"N 7°37'23.7"E

Maria Nordman, De Civitate, 1997. Installationsansicht

Credit

Erde und Pflanzen, Licht und Luft sind die Bestandteile der auf permanente Veränderung angelegten Arbeit De Civitate von Maria Nordman (geb. 1943) im Wienburgpark.1 Der Skulptur liegen geometrische Formen zugrunde: Eine Doppelreihe aus 100 Urweltmammutbäumen, Metasequoia glyptostroboides, bildet eine nach Norden geöffnete U-Form. Eine zweite U-Form, ebenfalls bestehend aus Metasequoia, öffnet sich nach Süden. In einem dritten Bereich sind Abendländische Lebensbäume, Thuja occidentales, in unterschiedlichen geometrischen Formen exakt angeordnet. Die Elemente sind überwiegend dicht gepflanzt und wachsen zu Wänden, betretbaren Kammern und lichtdurchfluteten Räumen.

Neben der präzisen Konstruktion der Anlage ist für die Arbeit der organische Aspekt des Wachstums, der zufälligen, natürlichen Entwicklung und des lebendigen Austausches zwischen den einzelnen Elementen der Skulptur von großer Bedeutung. Nordman erweitert ihren Skulpturbegriff um die Dimension der Zeit: Das Wachstum der Bäume und der Wandel der Jahreszeiten macht Veränderung bewusst erlebbar und Dauer erfahrbar.

Die ursprünglich drei uralten Baumsorten zeichnen sich durch eine ungewöhnlich lange Lebensdauer aus.2 Sie vertreten aufgrund ihres entwicklungsgeschichtlichen Alters exemplarisch die Flora der drei Kontinente Asien, Amerika und Europa. In diesem Mikrokosmos der Globalisierung löst sich die Distanz zwischen unterschiedlichen Kulturen und Ökosystemen auf. Der Wienburgpark dient als künstlerisches Material und umgibt die Skulptur, die sich in den Park einfügt und sich zugleich durch die Wahl der Pflanzen und deren künstliche Anordnung abhebt. Im Kontext der Land Art befragt Nordman Ideen und Definitionen von Innen und Außen, Natur und Kultur.

Nordman schlug bereits für die Skulptur Projekte in Münster 1987 ein Land-Art-Projekt vor. Diese, für eine Wiese an der Kanalstraße geplante Arbeit, die ebenfalls eine Pflanzung von Bäumen vorsah, konnte jedoch nicht realisiert werden.3 Das Projekt De Civitate, dessen lateinischer Titel sich übersetzen lässt mit „Über die Stadt" bzw. „Über die Bürgerschaft" wurde 1991 auf Initiative der Stadt und eines Privatspenders mit Hilfe eines Aufrufs an die Bürger*innen der Stadt Münster realisiert.

Sophia Trollmann

1

Erich Franz, Maria Nordman – De Civitate, Münster 1991. In: Klaus Bußmann, Kasper König und Florian Matzner (Hg.), Skulptur. Projekte in Münster 1997, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, Ostfildern-Ruit 1997, 286–291.

2

Die erste U-Form war ursprünglich mit Ginkgo biloba bepflanzt. Aufgrund der moorartigen Bodensituation, die zu feucht für die zur Farnfamilie gehörenden Ginko-Bäume war, wurden diese 2007 durch Metasequoia-Bäume ersetzt.

3

Klaus Bußmann und Kasper König (Hg.), Skulptur Projekte in Münster 1987, Ausst.-Kat.: Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Köln 1987, 207–208, hier 208.

Dieser Beitrag ist für das Skulptur Projekte Archiv entstanden und wurde der Kunsthalle Münster zur Verfügung gestellt. Auf der Website des Skulptur Projekte Archiv sind alle Werke zu finden, die zur Öffentlichen Sammlung der Skulptur Projekte gehören.