Arnold Schlick, Berliner Bär, 1963, 51°57'22.7"N 7°37'59.6"E
Arnold Schlick, Berliner Bör, 1963
Arnold Schlicks (1896–1978) lebenslange Faszination für die Tierwelt spiegelt sich in zahlreichen seiner Werke wider, die er vorwiegend in Münster schuf, wo er ab 1925 lebte. Seine Tierplastiken sind stilisierte Modellierungen, die von einem weichen Stil geprägt sind. Zu ihnen gehört auch der Berliner Bär, eine Bronzeplastik, die aufrecht auf einer Plinthe steht. Beide Hinterläufe sind fest auf ihr verankert, während die angewinkelten Vorderläufe den schlanken Körper in einer leicht gespannten, zugleich ausgewogenen Haltung präsentieren. In seiner aufrechten Position wirkt er wie ein majestätisches Wesen, das Stärke und Würde ausstrahlt. Seine Haltung vermittelt eine ruhige Präsenz, die zugleich Kraft und Gelassenheit vereint. Ursprünglich plante Schlick eine „dynamische Angriffsstellung“ des Bären, diese wurde jedoch zugunsten einer zurückhaltenderen und we-niger bedrohlich wirkenden Haltung mit angewinkelten Vorderläufen abgeändert.1
Die Plastik wurde von Schlick anlässlich des Mauerbaus in Berlin geschaffen und 1963 erstmals am Berliner Platz vor dem Münsteraner Hauptbahnhof aufgestellt. Nachdem der Bär 1993 versetzt und zeitweise abgebaut wurde, befindet er sich nun seit 2002 wieder an seinem ursprünglichen Standort mit neuer Ausrichtung. Seit 2006 ergänzt eine bronzene Informationstafel im Pflaster die Plastik, die mit ihrer Inschrift auf die Teilung Berlins zwischen 1961 und 1989 verweist und Münsters Anteilnahme an diesem Schicksal verdeutlicht. Der Bär als Berliner Symbolfigur visualisiert die Solidarität mit der geteilten Hauptstadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Zentrum des Kalten Kriegs avancierte. Durch die bewusste Aufstellung der Plastik am Berliner Platz, dessen Name bereits auf die Beziehung verweist, wird die Verbundenheit Münsters mit der Geschichte Berlins unterstrichen.
Neben dem Berliner Bär prägen zahlreiche weitere Skulpturen Schlicks Münsters Stadtraum. Dafür lassen sich exemplarisch die Gänsegruppe (1950) an der Aabrücke am Spiekerhof und das Altum-Denkmal (1962) in Form einer Eule an der Promenade nennen. Schlicks Einfluss auf das kulturelle Leben der Stadt reichte weit über seine Werke im öffentlichen Raum hinaus. Auch als Mitglied der 1919 gegründeten Künstlergemeinschaft Schanze – eine Vereinigung, die bis heute das kulturelle Leben Münsters prägt – trug er maßgeblich zur Förderung moderner Kunst bei.2
Luca Scholz
Vgl. Ursula Uber, Freiplastiken in Münster, Münster: C. J. Fahle GmbH, 1977, 92.
Siehe hierzu Bärbel Jäger, „Zum Hundertsten: Die Geschichte von Kontinuität und Wandel der Freien Künstlerge-meinschaft Schanze in Münster“, in: Freie Künstlergemeinschaft Schanze e.V. (Hrsg.): 100 Jahre Freie Künstlergemeinschaft Schanze, Münster: Daedalus, 2019, 25–54; Annette Georgi, „Heutige Künstlerinnen und Künstler der Freien Künstlergemeinschaft Schanze e.V.“, in: ebd., 79–110.