13.2. – 9.5.2027, ton not. not ton.
, Kunsthalle Münster
Konzert, Performance, Ausstellung: ton not. not ton widmet sich dem Klang und dem was Klang hervorruft, lässt ihn in akustischen Interventionen und Objekten im Raum in Erscheinung treten – vibrierend und haptisch, verkörpert und körperlos. Nach drei erfolgreichen Ausgaben 2021, 2023 und 2025 findet 2027 die vierte Ausgabe von ton not. not ton statt. Erstmals dienen dabei nicht nur die Räumlichkeiten der Kunsthalle Münster mit dem angegliederten Atelier 4.1 als Spielstätten, sondern auch die Dominikanerkirche in Münsters Innenstadt.
Der Fokus der vierten Ausgabe von ton not. not ton liegt auf der Stimme und ihrer Beziehung zum Atmen. Die Stimme als vielleicht ursprünglichstes Instrument und der Atem als Grundlage des Lebens sowie Sprache, Wortlaut und Gesang als mündliche verkörperte Realitäten bilden das Thema der Ausstellung. Mehr als in den vorherigen Ausgaben von ton not. not ton geht es damit in dieser Edition um die Verbindung von Körper und Klang.
Der Atem wird als Ausdruck für den lebendigen Körper in den Blick genommen ebenso wie als tongebendes Material. ton not. not ton verbindet die lebenswichtige körperliche Aktivität des Atmens mit grundlegenden Fragen zum Leben. Das altgriechische Wort „pneuma“ bedeutet „Atem“ und wird im altgriechischen Kontext sowohl in physiologischer als auch in spiritueller und philosophischer Hinsicht verwendet. In der Philosophie der Stoiker wird „pneuma“ zu einem zentralen kosmologischen Prinzip; es bezeichnet den Lebensatem, der als Mischung aus Luft und Feuer entsteht und sowohl den Kosmos als auch das irdische Leben ordnet. Der Atem liegt auch dem Wort für Seele (Psyche) zugrunde, das nach einigen Interpretationen „Leben“ bedeutet.
Der Atem ist zudem die Grundlage für die Stimme, mit der verschiedenste Teile des Lebens sowohl diskursiv als auch ästhetisch gestaltet werden. Die Stimme ist eines unserer wichtigsten Merkmale; sie wird jederzeit ganz spontan genutzt, in der Regel ohne groß darüber nachzudenken. Sie entspringt in uns, sowohl körperlich als auch in unserem Geist. Sie ist vergänglich; auch wenn sie das Potenzial hat in unseren Köpfen nachzuhallen, sobald sie dem Körper einmal entwichen ist. Durch experimentelle Einsatz- und Verhandlungsmöglichkeiten der Stimme ist ton not. not ton ein Versuch, ihrem vieldeutigen Wesen Gestalt zu verleihen, die Emotionen und Bedeutungen zu offenbaren, die in ihr mitschwingen.
Dabei wird die Resonanz mündlichen und akustischen Wissens gegenüber dem akademischen in den Blick genommen. Es geht um ungehörte, unterdrückte und mitunter versagende Stimmen, um Verletzlichkeit, Fragilität und Sprachlosigkeit. Ebenso handelt es von stimmlichen Überwindungen persönlicher und gesellschaftlicher Widerstände und spekulativen, sprachlichen Ausbrüchen und Verbindungen. Stimme und Atem erscheinen intim und konkret, als Metaphern und politisches Material. „Eine Stimme haben“ wird gemeinhin mit dem Recht assoziiert, mitreden zu dürfen, nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich stattzufinden.
Gezeigt werden neben Installationen, Fotografien, Malereien, Video - und Audioarbeiten verschiedene Performances und Konzerte, die von intimen akustischen Darbietungen bis hin zu immersiven audiovisuellen Erlebnissen reichen. Gezeigt werden laute und leise Werke. Zu hören sind mitreißende Schreie, verzerrte Seufzer, sinnliche Lieder und durchdringende Pfeiftöne. Zu sehen sind klagende Kehlköpfe, sehnsüchtige Lungen, klingende Stimmen, aber auch der Stille/dem Schweigen wird Raum gegeben. Im Zusammenkommen von Werken der bildenden Kunst mit den performativen Künsten und Musik auf gleichberechtigter Ebene geht es bei ton not. not ton auch um synästhetische Erfahrungen, die Beschreibungen jenseits des eigenen Genres zulassen und Kategorisierungen überwinden. Es geht um das Anklingen von Tönen in anderen Medien, das Sichtbarmachen von Stimmen, die bildhauerische Qualität von Luft strömen. Wenn der Körper zur Stimme und die Stimme zum Raum wird, entsteht ein Klangraum, der gemeinsam betreten werden kann.
Kurator:innen: Nguyen Phuong-Dan + Merle Radtke
Kuratorische Assistenz: Heiko Lietz
Das Programm der Kunsthalle Münster wird unterstützt vom Freundeskreis der Kunsthalle Münster.