21.3.2026, 12:30 Uhr,
Hannah Moraw: Detangling Workshop
, Atelier 4.1Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster
, Kunsthalle MünsterFörderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster
CreditZum 42. Mal findet die Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie Münster statt, die insgesamt 13 künstlerische Positionen zeigt: Anna Charlotte Frevel, Woorim Ha, Henrik Jansen, Yuna Jeong, Mari Kim, Julius Kotzke, Alex Liedtke, Jakob Mönch, Hannah Moraw, Anton Schmutzler, Nicole Widner, Jihyeok Yang, Frieda Zander.
Die Förderpreisausstellung ist ein besonderes Ausstellungsformat, das keinen thematischen Vorgaben folgt. Vielmehr kann sie als eine Plattform gesehen werden, die es den Studierenden der Kunstakademie Münster ermöglicht, ihre Arbeiten in den Räumlichkeiten der Kunsthalle Münster einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Aus den künstlerischen Positionen zeichnet die Jury – bestehend aus Gerrit Frohne-Brinkmann (Künstler, Hamburg), Victoria Tarak (Direktorin Kunstverein Bielefeld) und Eva Wilson (Kuratorin Skulptur Projekte Münster) – insgesamt drei Preisträger:innen aus. Entsprechend der 13 Klassen werden in der Ausstellung unterschiedliche Schwerpunkte und verschiedene Medien, wie Malereien, Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Videos, zu sehen sein.
„In der prämierten Arbeit kollidieren unterschiedliche bildhauerische Logiken miteinander und verdichten sich zu einem vertraut wirkenden und dennoch irritierenden Objekt. Ein schweres Waschbecken mit dicken Wandungen aus grob gehauenem Marmor balanciert auf einem schmalen Metallfuß – so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Erst bei näherer Betrachtung erschließt sich, dass dieses Becken sorgfältig und in vielen Schichten von Hand aus Wachs geformt wurde. Mit Seife gefüllt und mit industriellen Bauteilen wie Wasserhahn oder Ablauf kombiniert, trotzt es seinen widersprüchlichen Objekteigenschaften. Gerade in dieser Spannung entfaltet die Arbeit ihre Wirkung: Das Becken erscheint gebrauchsfähig, könnte sich aber im Moment der Nutzung auflösen. Zwischen Funktion und Dysfunktion, zwischen Skulptur, Möbel und Infrastruktur eines Gebäudes stellt es leise Fragen nach dem Material des Alltags. Zugleich rückt das Werk den Körper und seine Routinen in den Blick – das Säubern, Versorgen, den all-täglichen Gebrauch von Dingen, die hier fragil werden und ihre Selbstverständlichkeit verlieren. Hingabe in Form lässt offen, wer sich hier wem hingibt – und in welchem Moment das Nützliche ins Ungewisse kippt. Für diese kluge und sinnliche Arbeit erhält Yuna Jeong den Förderpreis der Freunde der Kunstakademie Münster.“
„Wir zeichnen eine Arbeit aus, die in ihrer vermeintlichen Abstraktion zunächst Rätsel aufgibt. Die individuellen Elemente der Installation geben einander viel Raum und bleiben sich dabei fast fremd, in ihrer Beziehung formell. Sie lassen sich sowohl in ihrer Figürlichkeit als auch Abstraktion begreifen: ein auffallend erkennbares Motiv – eine kleine Kuh – ist materiell so stark abstrahiert, dass es fast zum Verschwinden gebracht wird. Farbe spielt eine Rolle (Licht sowohl als Material als auch als künstliche Sonne, oder eine ebenso artifizielle Schattierung auf dem pyramidalen Objekt), auch Geometrie ist wichtig; gemeinsam bilden die einzelnen Objekte schließlich eine Szene. In ihrer Konstellation schaffen sie einen gemeinsamen Bildort, ein Bühnenbild, vielleicht auch eine Art System. Handelt es sich um eine Art Gedächtnispalast, in dem die Elemente als Chiffren dienen? Die Künstlerin übersetzt mehrfach: ihre zugrundeliegenden bildnerischen Notate, die, wie der Titel 20240919 suggeriert, fast als biografische Einträge zu lesen sind, werden in den Ausstellungsraum erweitert, wo sie als Hieroglyphen auf eine Dekodierung warten, die jedoch immer fragmentarisch bleibt. Dies ist auch ein Symptom einer Fremdheitserfahrung: wie nähert man sich einer fremden Umgebung, die einem fremdelnd begegnet? Welche Logiken, Aufschreibesysteme, Deutungs- und Übersetzungsmöglichkeiten lassen sich finden? Wie lässt sich Bedeutung stiften? Gerade indem Mari Kim ihre persönliche Erfahrung in eine flimmernde Eigenlogik verfremdet und verdichtet, öffnet sie diese in eine Befragung von Identität, Selbst, Vertrautheit und Fremdheit. Dafür möchten wir Mari mit dem Preis der Freunde der Kunstakademie aus-zeichnen.“
„Der Förderpreis geht an eine künstlerische Position, deren medienübergreifende Praxis sich durch eine Verschränkung poetischer, performativer und installativer Arbeitsweisen auszeichnet. In seiner Praxis begreift der Künstler zwischenmenschliche Situati-onen als soziale und emotionale Ausgrabungsstätten, als Orte, an denen sich Begehren, Projektion und soziale Choreographie verdichten. Die Videoinstallation a glossy object wirkt exemplarisch innerhalb dieses Spannungsfeldes. Ihre besondere Qualität liegt in der Überlagerung formalästhetischer und inhaltlicher Ebenen. Was zunächst als präzise beobachtete Materialstudie eines Herstellungsprozesses lesbar wird, wird sukzessive verwoben mit Gesprächsfragmenten unter potenziell Liebenden. Es entsteht eine mehrdimensionale Erzählung von Formen der Verletzlichkeit. Die künstlerische Praxis zeichnet sich durch eine hohe Sensibilität für Erzählweisen und medienübergreifende Verdichtungsprozesse aus und entwickelt daraus eine eigenständige, formal wie konzeptuell überzeugende Bildsprache. Der Preis der Freunde der Kunstakademie geht an Anton Schmutzler.“
Eine Kooperation der Kunsthalle Münster mit der Kunstakademie Münster und den Freunden der Kunstakademie Münster
Die Ausstellung wird gefördert durch:
Das Programm der Kunsthalle Münster wird unterstützt vom Freundeskreis der Kunsthalle Münster.
Hannah Moraw: Detangling Workshop
, Atelier 4.1
Hannah Moraw: How Do You Seperate (Performance)
, Kunsthalle Münster
Hannah Moraw: How Do You Seperate (Performance)
, Kunsthalle Münster