10.10. – 11.10.2026, 30-stündiges Klavierkonzert, Eric Satie: Vexations
, KLANGZEIT_ _#13 Festival, Dominikanerkirche
KLANGZEIT_#13 Festival
Im Rahmen des KLANGZEIT_ _#13 Festivals (8.–11. Oktober 2026) findet in Kooperation mit der Kunsthalle Münster eine 30-stündige Aufführung von Eric Saties Vexations in der Dominikanerkirche in Münster statt. Die Aufführung wird von mehr als 30 Pianist:innen aus Münster und ganz Nordrhein-Westfalen realisiert. Sie beginnt am Samstag, 10.10.2026 um 11:00 Uhr und endet am Sonntag, 11.10.2026 um 17:00 Uhr, der Eintritt ist frei.
KLANGZEIT ist das biennal stattfindende Festival für Neue Musik in Münster. In einer Zeit, in der Grenzen Hochkonjunktur haben, möchte die KLANGZEIT_ _#13 mit dem Thema BRIDGES Verbindungen schaffen: Verbindungen zwischen musikalischen und künstlerischen Disziplinen und Traditionen, zwischen Kontinenten, zwischen Publikum und Performer:innen, zwischen Konzertsaal und Stadtraum.
Eric Saties Vexations aus dem Jahr 1893 ist keine gefällige Komposition: es ist eine monumentale Miniatur, ein Vexierspiel, ein psychologisches Experiment. Ein atonales Motiv von wenigen Takten soll laut Anweisung des Komponisten 840-mal sehr langsam gespielt werden und sprengt damit jede Grenze des üblichen Konzertrahmens. Zu Lebzeiten Saties kam es nie zu einer Aufführung, erst John Cage brachte es 1963 mit elf Pianisten in einer mehr als 18-stündigen Performance auf die Bühne. Happening, Meditation, Installation – ein Spiel mit Zeit und Wahrnehmung, zu dem Satie schrieb: „Um sich dieses Motiv 840-mal hintereinander vorzuspielen, wird es gut sein, sich vorher und in größter Stille durch ernsthafte Unbeweglichkeit vorzubereiten.“
Durch die Kooperation mit der Kunsthalle Münster kann dieses außergewöhnliche Werk in Dialog mit Rauminstallation Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel von Gerhard Richter in der Dominikanerkirche treten. Beide Kunstwerke thematisieren innerhalb ihres Ausdrucksmediums die Dimension Zeit in Gestalt zweier Bewegungen ins Unendliche, beiden Künstlern geht es um eine Entgrenzung der zeitlichen Dimension ihres jeweiligen Mediums. Das räumliche Mit- und Nebeneinander der Rauminstallation Gerhard Richters und der Aufführung von Saties Vexations fordert die Zuschauer:innen zu einer vielschichtigen Wahrnehmung von Verbindungen, Parallelen und Differenzen auf.
Den Mittelpunkt von Richters Installation bildet ein von dem Künstler entworfenes Foucault’sche Pendel, das in Zusammenarbeit mit dem Physikalischen Institut der Universität Münster entstanden ist. Es besteht aus einer Metallkugel (ø 22 cm, 48 kg), für ihre ununterbrochene Pendelbewegung sorgt ein elektromagnetischer Antrieb unterhalb der kreisrunden Bodenplatte aus Grauwacke – einem 380 Millionen Jahre alten Sedimentgestein. Das Verhältnis des Pendels zur sich drehenden Erdoberfläche lässt sich an der 360-Grad-Winkelmaßskalierung der Bodenplatte ablesen. Das wissenschaftliche Experiment bedarf hier der Gestaltung, um nachvollzogen werden zu können. Im Verlauf einer Stunde lässt sich eine Drehung von circa 12 Grad beobachten. Eine vollständige Rotation der Platte benötigt in Münster etwa 30 Stunden, am Nord- bzw. Südpol dagegen wären es 24 Stunden. Die Rotation der Platte wird hier zum Ausgangspunkt von der Aufführung von Vexations.
Eine Kooperation mit:
Das Programm der Kunsthalle Münster wird unterstützt vom Freundeskreis der Kunsthalle Münster.