30/03/2018 – 22/04/2018,

Nicoline van Harskamp

"Do you speak English?" … eine Frage von globaler Bedeutung, und eine, deren Tragweite die niederländische Künstlerin Nicoline van Harskamp in ihrem facettenreichen Werk thematisiert. Was bedeutet es, wenn ein Großteil der weltweiten Bevölkerung, dessen Muttersprache nicht Englisch ist, sich verpflichtet fühlt, die Frage – wenn auch zögerlich – mit "Yes" zu beantworten? Welche Gründe und Auswirkungen hat es, wenn die Kommunikation zwischen den Menschen mehr und mehr in einer Sprache stattfindet, die als einzige sprachliche Schnittstelle zum gegenseitigen Austausch vorausgesetzt wird, ohne die eigene Muttersprache zu sein? Es entsteht eine Hybrid-Sprache, die van Harskamp "Englishes" getauft hat.

Die vielfältigen, mutierenden linguistischen Formen, die Englisch in seiner Rolle als vorherrschender Zeichengeber annimmt, ergründet die Künstlerin in Interviews, in dramatischen Inszenierungen selbst verfasster fiktionaler Vorlagen, in der Verbildlichung linguistischer Studien, nicht zuletzt im Rückgriff auf die verschiedensten performativen Formate. Ihre Arbeiten verleihen dem zutiefst menschlichen Bedürfnis und Verlangen nach Kommunikation eine sinnliche Form und zeigen unsere Bereitschaft und Begierde auf, diesem Verlangen nachzugeben. So sprechen etwa die Filme, die in Zusammenarbeit mit einer Reihe künstlerischer Einrichtungen und Bildungszentren recherchiert und produziert wurden, einen speziellen Bereich der Linguistik an, beispielsweise Phonologie, Pragmatik oder Übersetzung. Gemeinsam mit Sprachenlehrer*innen, Akademiker*innen, mehrsprachig aufgewachsenen Kindern und Schauspieler*innen spürt die Künstlerin dem Phänomen nach, dass Englisch sich zu einem universell einsetzbaren Kommunikationswerkzeug entwickeln konnte. Dabei werden auch die ideologischen, politischen, sozialen und ökonomischen Kräfte beleuchtet, die möglicherweise maßgeblich den Aufstieg des Englischen als Lingua franca des 21. Jahrhunderts beförderten.

Nicoline van Harskamp nimmt ihre erste Einzelausstellung in Deutschland zum Anlass, um in der Kunsthalle Münster fünf filmische Werke zu präsentieren, die Teil einer fortlaufenden Reihe mit dem Titel Englishes sind: Portrait of an Englishes Collector (2015), Her Production (2014), Wer Mae Hao (_2015), _Darling Good Night (2016) sowie A Romance in Five Acts and Twenty-One Englishes (2015). Zudem wird das Ein-Kanal-Video PDGN (2016) gezeigt, das die Betrachter*innen mit einer fiktionalen Zukunft konfrontiert, in der Regierungen und weltweite Konzerne nicht länger die Macht ausüben. Auch hat sich in dieser erst kommenden Zeit eine neue, universelle und hoch anpassungsfähige Sprache entwickelt. Das Skript des Videos beruht auf Dialogen in Englisch, die von Nicht-Muttersprachlern gesprochen wurden.

Die Ausstellung wird gefördert durch:

The programme of the Kunsthalle Münster ist supported by the Friends of the Kunsthalle Münster.