21/07/2011 – 21/07/2011,

Mahony: Wunder & Krise

Die AZKM hat die Wiener Gruppe Mahony (Stephan Kobatsch, Clemens Leuschner und Jenny Wolka) eingeladen anlässlich des Festivals FLURSTÜCKE 011 eine Performance zu entwickeln. Die für fünf Orte konzipierte Performance Wunder & Krise wird am 21. Juli dreimal stattfinden. Die beiden Ausgangspunkte außerhalb des Speichers sind das Hafenbecken, in dem ein Schiff ankert, und auf der anderen Seite der Halle das Brachland. Gleichzeitig werden auf dem Schiff wie auf dem Baugrund zwei Chorproben stattfinden. Auf dem Schiff wird das schwungvolle Wirtschaftswunderlied Es Geht Besser, Besser, Besser von Peter Alexander, Caterina Valente und Silvio Francesco geprobt. Auf dem noch unbebauten Grundstück übt der Chor das berühmteste Lied der anarchistischen Rockgruppe Ton Steine Scherben Keine Macht für Niemand. Die Ausstellungshalle selbst verbindet die beiden Orte, indem sie zur Beobachtungsplattform der Chorproben wird. Jeweils ein Balkon ist einem Chorübungsplatz zugewandt, so dass man im Gebäude von der einen zur anderen Plattform wechseln kann. Zeitgleich werden die Stimmen der Sänger*innen in das Treppenhaus der Ausstellungshalle übertragen, so dass sich ein spannendes melodiöses sowie disharmonisches akustisches Zusammenspiel ergibt.

Mahony konzipieren in der Ausstellungshalle einen akustischen Zusammenprall: Vermittelt durch den Inhalt und die Entstehungszeit des Liedguts (1956 und 1972) stehen sich politisch zwei unvereinbare Lager bzw. Haltungen von Generationen gegenüber, die entweder in einen Dialog treten oder ihre Vision von Veränderung störrisch, in Ignoranz gegenüber der Stimme der anderen, behaupten. Diese Inhalte verbinden sich mit der gegenwärtigen und teilweise widersprüchlichen Entwicklung im Bereich des urbanen Binnenhafens.

Die Münsteraner Chormitglieder üben mit Innbrunst Formeln unzeitgemäßer Parolen, die wiederum gar nicht so unzeitgemäß klingen, wenn man an den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise 2009, die erneuten hohen Boni auf dem Finanzsektor, die Wutbürger*innen und Fukushima denkt. Auf poetische und leichte Weise berühren Mahony einen ähnlichen Diskurs ohne schwergewichtig und mahnend aufzutreten. Auch das amüsierte Wiedererkennen der bekannten Melodien, die geprobt werden, oder das Verstehen der Performancestruktur genügen als Anreiz, um sich über Wunder und Krisen ganz eigene Gedanken zu machen.

Im Fokus der Wiener Künstlergruppe Mahony steht auch die kulturelle Praxis des Reisens. In ihrem multimedialen Schaffen (Installationen, Skulpturen, Bildern, Collagen, Grafiken, Fotografien und Videos) manifestiert sich eine Auseinandersetzung mit historischen und gegenwärtigen Phänomenen, Techniken, Mythen und realen Problemen, die sich aus dem menschlichen Drang zur Entdeckung von Neuem und der Begegnung mit Fremdem ergeben. Ausgehend von überholten Fakten wird durch ein feines Netz von Assoziationen eine neue Sichtweise auf gegebene Zustände eröffnet. Die Verschiebung von Grenzen der Wahrnehmung und des Wissens sowie die Auflösung von Bedeutungshoheiten sind elementare Anliegen der Gruppe, die sich hinter den vordergründig oft von Witz und Leichtigkeit geprägten Projekten verbergen.

Kuratorinnen: Julia Wirxel und Dr. Gail Kirkpatrick

Das Festival FLURSTÜCKE 011 ist eine Zusammenarbeit vom Theaterhaus Pumpenhaus, Titanick, Filmwerkstatt und der AZKM.