20/01/2007 – 22/04/2007,

Laura Owens

Laura Owens ist eine der wichtigsten Malerinnen ihrer Generation. Arbeiten von ihr sind im Besitz des Whitney Museum of American Art und des Guggenheim Museum in New York, des Art Institute of Chicago und des Museum of Contemporary Art in Los Angeles. Die Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster zeigt von Januar bis April eine umfangreiche Übersichtsausstellung von Laura Owens. Die groß angelegte Wanderausstellung wurde von Beatrix Ruf (Kunsthalle Zürich) initiiert und kuratiert. Ein umfassender Werkkatalog mit Texten und Interviews sowie die Präsentation von Leinwandstudien erlauben Einblicke in das Schaffen der außergewöhnlichen Künstlerin und revidieren "romantische" Lesarten ihres Werkes. Die Werkschau stellt zum ersten Mal in vier europäischen Institutionen (Kunsthalle Zürich, Camden Arts Centre London, Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster, Bonnefantenmuseum in Maastricht) das malerische Schaffen der Künstlerin mit Arbeiten aus der Zeit von 1994 bis 2006 vor.

Zum ersten Mal überhaupt hat sich die Künstlerin bereit erklärt, dem Publikum Einblick in die für ihre Werke zentralen Studien auf Leinwand zu geben, die sie für jedes ihrer Gemälde in variierenden Formaten und zum Teil zahlreichen Ausführungen anfertigt. Etwa 40 dieser Studien sowie ca. 20 teilweise großformatige Gemälde werden in der Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster gezeigt. Owens malerisches Werk führt die Betrachter*innen durch ein Abenteuer der Wahrnehmung, das überrascht, irritiert, erstaunt und in hohem Maße ästhetisch befriedigt. Laura Owens sucht wie ihre Vorgänger des Modernismus nach einer vollkommen „puren Malerei" - einer Malerei, die ihren eigenen Regeln und immanenten Möglichkeiten folgt. Dabei sind ihr alle Mittel recht, um ein gutes Bild zu malen.

In ihren Leinwandstudien und Gemälden verweben sich Figuration und Abstraktion. Alle möglichen Motive mischt Owens zusammen: volkstümlich-naive Muster, dekorative Ornamente, Sujets aus der Kunstgeschichte wie Stillleben, Landschaften, Menschen, Tiere und Blumen. Virtuoses technisches Können steht neben naiv dahin gepinselten Farbstrichen, Farb- und Formkonstellation, die sich ansonsten abstoßen, glänzende Oberflächen neben haptisch klebrig wirkenden Pigmenten. Erhabenheit steht neben Zuckerguss. Trotz dieser farbigen und formellen Dissonanz sind die Bilder stets von einer erstaunlichen Stimmigkeit. Laura Owens erzählt keine Geschichten und verfolgt keine eindeutigen ästhetischen Theorien. Ihre Bilder sind ohne definierbaren Inhalt und gleichzeitig atemberaubende, manchmal halsbrecherisch mutige und immer spannende Zeugnisse von Freiheit und Egalität.

Jedes ihrer Motive – egal ob „high or low" – kann als Teil eines bildnerischen Musters betrachtet werden, das der zweidimensionalen Fläche eine dynamische, dekorative Qualität verleiht. In ihrem Werk zeigt sich ein demokratischer Umgang mit der unendlichen Vielfalt von Farben, Formen und Zeichen. Laura Owens besteht auf eine Gleichberechtigung von Abstraktem und Gegenständlichem, indem sie beide Prinzipien in ein imaginäres Wunderland überträgt. Das Eichhörnchen, das von Baum zu Baum hüpft, erfüllt das Auge nicht weniger als ein Löwe. Er ist schön, selbst genügend und tritt zu seiner Zeit und an seinem Ort für die Natur auf. Aus dieser Aufeinanderfolge von ausgezeichneten Gegenständen lernen wir ausschließlich die Unermesslichkeit der Welt kennen und den Reichtum des menschlichen Wesens. Jenes ungebändigte Gefühl von Freiheit und ästhetischer Grenzenlosigkeit ist es, das uns bei der Begegnung mit den Bildern von Laura Owens berührt.

Laura Owens (geb. 1970 in Ohio, lebt und arbeitet in Los Angeles) studierte 1992 an der B.F.A. Rhode Island School of Design, Providence, RI, 1994 an der Skowhegan School of Painting and Sculpture, Skowhegan, ME und 1994 am California Institute of the Arts, Valencia, CA, USA. Heute lebt und arbeitet sie in Los Angeles, USA. Ihre Arbeiten werden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. Sie waren unter anderem im als Einzelausstellungen im Bonnefanten Museum (2007), Kunsthalle Zürich (2006) und im Museum of Contemporary Art, North Miami, Florida (2004) zu sehen.

Ein umfangreicher Werkkatalog, der im Verlag JRP Ringier in Zürich erschienen und von der Kunsthalle Zürich herausgegeben ist, gibt erstmals einen sehr persönlichen Einblick in den Schaffensprozess der Künstlerin.

Die Ausstellung wurde zuerst in der Kunsthalle Zürich und im Camden Arts Centre in London gezeigt, letzte Station ist das Bonnefantenmuseum in Maastricht.

Die Ausstellung wurde durch eine großzügige Spende von Reinhard Horstmann (Münster) und des Freundeskreises der AZKM unterstützt.

The programme of the Kunsthalle Münster ist supported by the Friends of the Kunsthalle Münster.